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Aus Kenia in die Pfalz

Ausbildung in Deutschland: (von links) John Ngagi Kassimu, Lynne Mwongel Mutinda, Scholastica Nihambi und Thaddeus Musomba Kimanthi.
Zeitungsartikel

Ausbildung
Hoteliers und Gastronomen werben in Ostafrika um Azubis – trotz behördlicher Hürden.

Rhodt. Der Fachkräftemangel im deutschen Gastgewerbe lässt sich auch bei Aus-bildungsbereitschaft nicht ohne weiteres beheben, denn oft fehlen hierzulande schon die Azubis. Das Hotel Alte Rebschule in Rhodt in der Südpfalz hat daher neue Wege in der Personalbeschaffung eingeschlagen. Mittlerweile kommen knapp ein Drittel der insgesamt 47 Mitarbeiter der Alten Rebschule aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (Spanien, Frankreich, Italien und Polen) oder aus Ländern wie Eritrea oder Kenia. Die rechtlichen Voraus-setzungen sind ganz unterschiedlich.

„Für unsere Mitarbeiter aus dem EU-Raum existierten keine Einschränkungen für den Aufenthalt oder für die Arbeitserlaubnis“, sagt Stephan Hafen, Geschäftsführer des Hotels. „Völlig anders sieht es bei unseren Auszubildenden aus Kenia aus: Sie benötigten für den Aufenthalt in Deut-schland, zum Zwecke der Ausübung einer Erwerbstätigkeit, einen Aufenthaltstitel, und für die Einreise ein Visum.“

Schwierige Rekrutierung
Um Azubis zu gewinnen, bedient sich Hafen neben privater Kontakte auch der Hotelfachschulen in Kenia. Dort versucht der Hotelchef, Studierende von einer Koch-Ausbildung in Deutschland zu überzeugen. Voraussetzungen sind zunächst ein Ausbildungsvertrag zwischen dem potenziellen Lehrling und dem Zusbildungs-betrieb in Deutschland sowie ein erfolgreich abgeschlossener Deutsch-Kurs am Goethe-Institut in Mombasa. Dann erst kann ein Antrag auf ein Visum bei der Deutschen Botschaft in Nairobi gestellt werden. Entscheidend für das Visum der in Deutschland beschäftigten Kenianer sei die Sozialversicherung mit Kranken-, Pflege-, Renten-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung.

Seit drei Jahren ist Thaddeus Musomba Kimanthi als Koch-Azubi in der Alten Rebschule. Der 23-Jährige spricht gut Deutsch und ist nach Worten von Hotelchefin Sonja Schäfer eine „zuverlässige und nicht mehr wegzudenkende Größe“ in der Hotelküche. „Nach meiner Ausbildung möchte ich gern als Koch in Deutschland weiterarbeiten, sofern das mit der Arbeitserlaubnis klappt, mir gefällt es nämlich hier. Und ich habe mich längst an Saumagen oder Spargel gewöhnt, die bei uns völlig unbekannt sind“, sagt er. Seine jüngere Schwester Scholastica Nihambi hat seit einem Monat ebenfalls einen Ausbildungsvertrag zur Köchin und arbeitet in der Rebschule an seiner Seite. Auf die Frage, weshalb sie sich für eine Ausbildung in Deutschland entschieden haben, antworten beide, dass sie in Kenia aufgrund der wirtschaftlichen Situation keine Chance hatten, in der Gastronomie einen Ausbildungsplatz zu finden.

Gewinn für alle
Auch andere Betriebe in der Südpfalz profitieren von Hafens Idee: Lynne Mwongel Mutinda aus Mombasa beispielsweise durchläuft seit 2013 im Hotel-Restaurant Castell in Leinsweiler eine Ausbildung. „Sie versteht und spricht ausgezeichnet Deutsch, hat eine positive Ausstrahlung und ist fachlich in der Berufschule eine der Besten“, lobt ihr Chef Gerhard Lauth. Auch John Ngagi Kassimu wurde von Stephan Hafen als Koch-Azubi ins Hotel-Restaurant Prinzregent in Edenkoben vermittelt. „Mir gefällt es im Prinzregent, ich werde genauso gut behandelt und bezahlt wie meine deutschen Kollegen und finde die gleichen Arbeitsbedingungen vor“, erzählt er. Eine andere Vermittlung eines Azubis in ein Restaurant in Oberhofen ist hingegen gescheitert. Die junge Frau kehrte von ihrem Jahresurlaub nicht wieder in die Pfalz zurück. Erfahrene Mitarbeiter stehen den Azubis deshalb begleitend und unterstützend zur Seite. In der Alten Rebschule stehen Stephan Hafen und Sonja Schäfer als Ansprechpartner in allen den Arbeitsalltag betreffenden Fragen zur Verfügung. Sie unterstützen bei der Wohnungssuche, begleiten zu Ämtern und helfen bei Übersetzungen. Wichtig sei, dass alle Mitarbeiter im Haus von der Sinnhaftigkeit überzeugt werden, so Hafen. Es bedürfe dabei vor allem eines offenen, respektvollen und toleranten Umgangs miteinander. So könnten mögliche Unsicherheiten im Umgang mit ausländischen Kollegen oder Konflikte schon im Vorfeld ausgeräumt werden. Die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt, so Hafen, könnten auch Gastronomen in anderen Bundesländern als Modell zur Anwerbung ausländischer Auszubildender dienen. 

Heinz Feller

Hintergrund
Stephan Hafen, Winzer und Besitzer der Alten Rebschule, pflegt seit 1992 Kontakte mit dem ostafrikanischen Land. Mit dem „Hilfswerk der Deutschen Lions (HDL)“ generierte er Gelder und fungierte als ehrenamtlicher Spendenabwickler. Der Hotelier arbeitet mit den Schwestern des St. Josephs-Ordens in Mombasa zusammen, die vor Ort die gespendeten Gelder verwalten und wirtschaftlich wie zweckgebunden einsetzen. 2004 wurde von der Catholic St. Joseph Academy eine Schule eingeweiht, die rund 900 Schüler besuchen.

 
 

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